06.03. - 10.03.2012
CeBIT 2012
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Hannover
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Wer kennt das nicht: Man kommt aus einem Kundengespräch, hat irgendwo im Oberbauch das seltsame Kribbeln, das einem sagt, irgendwas sei nicht so gelaufen; eigentlich möchte man nur den Kopf schütteln ob des Unverständnisses des Kunden gegenüber den doch so großartigen Ideen und Vorschlägen, die man machte. Warum versteht der Kunde nicht, wie wichtig Webdesigner sind? Warum interessieren ihn Webstandards weniger als die Größe seines Logos? Das – und viele mehr – sind Fragen, denen Nils Pooker in seinem Buch “Der erfolgreiche Webdesigner” nachgeht.
In “Der erfolgreiche Webdesigner” geht es nicht um das für die Ausübung des Berufs notwendige Fachwissen. Das setzt er richtigerweise voraus. Vielmehr geht es darum, dem selbstständigen Webdesigner deutlich zu machen, wie er seine Kommunikation mit dem Kunden verbessern kann. Pooker analysiert treffend verschiedene Arten von Entscheidern und Entscheidergruppen und beleuchtet den richtigen Umgang mit diesen Personen. Er erläutert, warum falsche oder fehlende Interpunktion im Gespräch dafür sorgt, dass man bei Detailfragen nicht weiterkommt. Dass es durch falsches Voraussetzen von nicht vorhandenem Wissen zu Missverständnissen kommt.
Alles doch logisch, möchte man meinen. Doch noch nie gab es ein fesselnderes Buch über Kunden-Kommunikation und Gesprächsführung. Das liegt nicht allein an Pookers lockerer, aber nie schnodderiger Erzählart; vielmehr liegt es daran, dass Pooker den Finger sanft auf die Kommunikationswunden vieler Webdesigner liegt, ohne darin rumzubohren. Daran, dass er aus der Sicht eines Webdesigners schreibt. Daran, dass er eben kein Kommunikationswissenschaftler ist.
Pookers Buch behandelt viele Themen des Webdesigns aus kommunikationswissenschaftlicher und -psychologischer Sicht. Den Bereichen “Kunde und Kompetenz”, “Kommunikationsstrategien des Webdesigners”, “Webdesign und Wahrnehmung”, “Erfolgreicher Umgang mit dem Kunden” sowie “Betreuung und Begleitung des Kunden” widmet er die ersten 300 Seiten seines Buches. Zu Recht, muss man feststellen, stellen sich doch auch nach langjähriger Selbstständigkeit noch immer beim Lesen Aha-Effekte ein. Immer wieder wird man beim Lesen des Buches seine eigene Arbeitswelt reflektieren, feststellen, wo man im Bereich “Kommunikation” Defizite hat und warum der Kunde einen wohl nicht richtig versteht. Man versteht, dass weder die “Basta-Strategie” noch die “Wünsch-Dir-Was-Strategie” zielführend sein kann und was sich hinter den Begriffen “komplementärer” und “symmetrischer” Verlauf von Kommunikation verbirgt und warum dies wichtig ist.
Abgerundet wird dieser Part von umfangreichen Checklisten zur Kommunikation und Handouts, die auch auf der beiliegenden DVD verfügbar sind und dem Webdesigner die Arbeit erleichtern. Allein wegen dieses ersten Abschnitts gibt es für das Buch eine Leseempfehlung. Doch Pooker geht es ja nicht nur um Kommunikation.
Ein weiterer großer Bereich des Buches widmet sich dem Thema “Marketing für Webdesigner”. Hier geht es in erster Linie um Werbemittel, Kompetenzen und Spezialisierungen, aber auch um Networking und die Kunst des richtigen Vortrags. Tipps und Hinweise, die für jeden Webdesigner – erfahren oder Frischling – gleichermaßen interessant sind.
Im dritten Teil erfahren Webdesigner etwas über die Grundlagen der erfolgreichen Selbstständigkeit, über Kalkulation und Management, ordentliche Rechnungsstellung und die Wichtigkeit einer grundsätzlichen Anzahlung.
Dieser Bereich wird einigen vielleicht zu oberflächlich erscheinen, mit teilweise wenig Greifbarem zum Thema Kalkulation, dafür jedoch – und da fragt sich, warum im Abschnitt “Kalkulation und Management” und nicht in Abschnitt IV – mit Gastbeiträgen über diverse CMS und Blog-Systeme.
Allerdings: man könnte über diese Themen ganze Bände veröffentlichen, und Nils Pooker tut gut daran, sich nicht in Detailfragen zu verlieren, sondern kurz auf wichtige Elemente hinzuweisen.
Wichtiger ist es ihm ohnehin, dem Webdesigner zu verdeutlichen, dass sein Handwerk eine Dienstleistung ist. Es geht schließlich um Soft-Skills für Webdesigner. Dennoch ist auch der vierte Teil des Buches lesenswert für diejenigen, die sich mit den Themen Webstandards, Usability und Accessibility noch nicht beschäftigt haben.
Dieses Buch ist eine dringende Kauf- und Lese-Empfehlung wert. Selten hat ein Fachbuch so viel Spaß gemacht und gleichzeitig zu wirklicher Reflektion über die eigenen Kommunikations-Künste angeregt. Teils ironische, manchmal sarkastische Bemerkungen lassen einen manches Mal laut Auflachen; die Tiefe der Analysen und der Wert der Tipps jedoch lässt einen gleich darauf seine eigene Kompetenz im Bereich Kundenkommunikation überprüfen.
Die Notwendigkeit für ein solches Buch ist da. Webdesigner müssen über ein gerütteltes Maß an Kompetenz in Bereichen jenseits von HTML, CSS, CMS und Usability verfügen. Sie sind eine Art Mittler zwischen den Welten im “Spannungsfeld zwischen Kunde und Kompetenz”, sie sind Steuerpflichtige, Manager und Verkäufer in eigener Sache. Dieses Buch ist wichtig, denn am Anfang einer erfolgreichen Karriere als Webdesigner steht immer der Gedanke und das Wissen darum, dass Kommunikation mit dem Kunden ein Grundpfeiler jeglichen Erfolges ist, dass es eines Planes und umfangreicherer Grundlagen als Photoshop und Dreamweaver bedarf.
Dieses Buch ist nicht einfach nice-to-have, es ist Pflichtlektüre.
TS
Pooker, Nils. Der erfolgreiche Webdesigner: Kundenkommunikation, Projektmanagement, Web-Techniken, Marketing. Gebundene Ausgabe: 559 Seiten. Galileo Press; Auflage: 1 (November 2008). ISBN: 3836211661
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